Wasserstoffversorgung nachhaltig und sicher gestalten

Wasserstoff leistet einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und bietet Chance für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Aus Sicht des TÜV-Verbands sind hohe Sicherheitsstandards für Produktion, Speicherung und Transport von Wasserstoff notwendig.

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10. Juni 2021 – Der TÜV-Verband hat an die Bundesregierung appelliert, beim Aufbau einer flächendeckenden Wasserstoffversorgung die Kriterien Sicherheit und Nachhaltigkeit deutlich stärker in den Fokus zu rücken. „Der Aufbau einer sicheren und klimafreundlichen Wasserstoffinfrastruktur ist technisch und organisatorisch kein Selbstläufer“, sagte Dr. Dirk Stenkamp, Präsident des TÜV-Verbands. „Bei der Erzeugung, Beförderung, Speicherung und Bereitstellung von Wasserstoff müssen Unfälle vermieden und Störfälle beherrscht werden, um Mensch und Umwelt bestmöglich zu schützen.“ Dafür seien hohe Sicherheitsstandards notwendig, deren Einhaltung regelmäßig überprüft wird. In Deutschland sollten Anlagen für die Erzeugung von Wasserstoff in den Regelungsbereich der Betriebssicherheitsverordnung aufgenommen werden, die regelmäßige Kontrollen von unabhängigen Stellen vorsieht. Auch Pipelines für den Wasserstofftransport sollten regelmäßig geprüft werden. Im Mobilitätssektor kann Wasserstoff insbesondere im Schwerlastverkehr einen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wasserstoffbetriebene Fahrzeuge und die Betankungsinfrastruktur ein hohes Sicherheitsniveau aufweisen. Stenkamp: „Das Tanken mit Wasserstoff muss in Zukunft genauso selbstverständlich und sicher sein wie das Tanken mit Benzin.“

Aus Sicht des TÜV-Verbands sind entsprechende Sicherheitsvorgaben in der bestehenden Wasserstoffstrategie der Bundesregierung bislang nur unzureichend berücksichtigt. Das gilt auch für einen möglichst nachhaltigen Einsatz der Wasserstoff-Technologie. „Wasserstoff kann als Energieträger nur einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wenn er aus erneuerbaren Energien gewonnen wurde“, betonte Stenkamp. Entsprechende Nachhaltigkeitsstandards müssten sowohl ökologische als auch soziale Auswirkungen der Wasserstoffproduktion berücksichtigen. Das gelte insbesondere für importierten Wasserstoff, da Deutschland seinen Bedarf in absehbarer Zeit nicht selbst decken kann. Daher müssen für den grenzüberschreitenden Handel mit grün erzeugtem Wasserstoff Herkunftsnachweise entwickelt und der Aufbau eines europäischen Zertifikate-Systems vorangetrieben werden. „Wasserstoff ist eine große Chance für den Wirtschaftsstandort Deutschland“, sagte Stenkamp. „Die neue Bundesregierung muss die vorhandene Wasserstoffstrategie nicht nur schnellstmöglich umsetzen, sondern auch weiterentwickeln und die Einhaltung hoher Standards für Sicherheit und Nachhaltigkeit gewährleisten.“

Das Thema „Wasserstoff – Sicherheit für saubere Energie“ steht im Mittelpunkt eines TÜV Meetups, das live im Internet übertragen wird. Es diskutieren Prof. Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin für Energie, Verkehr, Umwelt beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), und Dr. Stefan Kaufmann (MdB), Innovationsbeauftragter Grüner Wasserstoff im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Gastgeber ist Dr. Dirk Stenkamp, Präsident des TÜV-Verbands und CEO TÜV Nord.

Das digitale TÜV MeetUp „Wasserstoff – Sicherheit für saubere Energie“ findet am 10. Juni 2021 von 16:00 bis 17:00 Uhr statt.   Zur Anmeldung für den Live-Stream 

Die politischen Empfehlungen des TÜV-Verbands für den Aufbau einer nachhaltigen und sicheren Wasserstoffversorgung sind hier abrufbar.