Tipps für die Gartenarbeit mit smarter Technologie

Smarte Gartengeräte sind eine große Hilfe für Hobby-Gärtner:innen. Wir verraten, worauf vor dem Kauf zu achten ist und geben Tipps, damit Roboterrasenmäher & Co. kein Einfallstor für Cyberkriminelle werden.

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25. Mai 2021 – Autonome Robo-Rasenmäher, intelligentes Pflanzen-Monitoring oder eine digital gesteuerte Bewässerung: Smarte Haus- und Gartengeräte erleichtern und verbessern die Pflege des heimischen Gartens. „Smart Gardening unterstützt ambitionierte Freizeitgärtner:innen bei der Arbeit oder nimmt ihnen unliebsame Tätigkeiten ab“, sagt Marc Fliehe, Bereichsleiter Digitalisierung und IT-Sicherheit beim TÜV-Verband. „Viele digital gesteuerte Geräte können Aufgaben wie Rasenmähen oder Wässern sehr zuverlässig, sorgfältig und ressourcenschonend erledigen.“ So messen beispielsweise intelligente Bewässerungsanlagen die Bodenfeuchtigkeit und beachten aktuelle Wettervorhersagen. Gartenbesitzer:innen sollten sich vor dem Kauf smarter Geräte überlegen, welche Arbeiten sie abgeben möchten und klären, ob ihr Garten die Voraussetzungen für den Einsatz digitaler Technologien erfüllt. „Viele Funktionen smarter Geräte und Anwendungen sind nur nutzbar, wenn im Garten eine stabile Internetverbindung vorhanden ist“, sagt Fliehe. „Das Funknetz und die angedockten Geräte sollten so aufgesetzt werden, dass sie vor Hackerangriffen geschützt und somit kein Einfallstor für Kriminelle sind.“ Der TÜV-Verband gibt einen Überblick über smarte Gartentechnik und zeigt, was Gärtner:innen bei der Vernetzung der Geräte in Sachen Cybersicherheit beachten sollten:

  • Garten-Apps können bei der Gartengestaltung, dem Anlegen von Beeten, der Platzierung der Bewässerung und der Pflanzenidentifikation unterstützen. Mit Anbautipps, Nährwerttabellen und Erinnerungsfunktionen erleichtern die Apps sowohl ungeübten als auch erfahrenen Gärtner:innen die Pflanzenpflege.
  • Für intelligente Bewässerungsanlagen werden im Garten unter- oder oberirdisch Wasserschläuche verlegt. Herzstück der Anlage ist ein Bewässerungscomputer, der in der Regel direkt am Wasserhahn angebracht wird. Die Steuerung erfolgt am Gerät selbst oder, bei vernetzten Anlagen, über eine Smartphone-App. Nutzer:innen können Gießzeiten planen und verschiedene Gartenbereiche unterschiedlich bewässern. Smarte Sprinkleranlagen verbinden Sensordaten wie Temperatur, Sonnenintensität sowie Boden- und Luftfeuchtigkeit mit aktuellen Wettervorhersagen und werden nur dann aktiv, wenn es notwendig ist.
  • Indoor-Gewächsstationen versorgen Nutzer:innen auch ohne eigenen Garten zu jeder Jahreszeit mit frischen Kräutern, Gemüse und Obst. Ab der Aussaat übernehmen die Systeme die Pflanzenversorgung selbstständig: Sie verteilen Wasser, Dünger, Licht und Wärme automatisch. Im Urlaubsmodus reduzieren die intelligenten Indoor-Gärten die Licht- und Wasserzufuhr auf ein Minimum.
  • Intelligente Pflanzenmonitore werden in die Erde gesteckt und können dann den Feuchtigkeitsgehalt messen, Bodenanalysen vornehmen und die Nährstoffe im Boden bestimmen.
  • Mähroboter halten den Rasen kurz, ohne dass Gärtner:innen selbst aktiv werden müssen. Regelmäßiges Mähen unterdrückt Unkräuter und sorgt für einen dichten, ebenmäßigen Rasen. Mit Hilfe von Begrenzungskabeln wissen die smarten Mäher genau, wo sie entlangfahren dürfen. Neuere Modelle verfügen über ausdauernde Akkus, Diebstahlschutz und hohe Steigfähigkeit, sind also auch an Hanggrundstücken einsetzbar. Insbesondere für körperlich eingeschränkte Nutzer:innen, die große Rasenflächen pflegen möchten, kann der Mähroboter eine große Hilfe sein.
  • Mit smarten Outdoor-Steckdosen können auch herkömmliche Geräte smart gemacht werden: Via Smartphone, Tablet oder Sprachfunktion sind herkömmliche Lampen, Heizpilze oder Elektrogrille bedienbar. Einige Steckdosen haben auch Strommessfunktionen und zeichnen auf, wieviel Strom verbraucht wurde.
  • Gartenbesitzer:innen mit einem Schwimmbecken können sich die Reinigung von einem Poolroboter abnehmen lassen. Sogenannte Aquabots werden ins Wasser gesetzt, entfernen tote Insekten, Bakterien, Algen oder Sand von den Wänden und Böden der Pools und saugen den abgelösten Schmutz sogar von der Wasserlinie ab.
  • Smarte Wetterstationen warnen vor Regen, Hagel, Sturm, Frost oder Hitze. Bei Unwettern veranlasst sie das Ausschalten vernetzter Geräte, fährt die Markise oder Rollos ein und warnt Gärtner:innen rechtzeitig vor. Per Sprachbefehl können sich Nutzer:innen auch über die aktuelle Temperatur oder Luftfeuchtigkeit erkundigen.
  • Dachrinnenroboter werden in die Regenrinne gesetzt und entfernen dort Schmutz und Laub.

Den Garten auf den Einsatz smarter Technologie vorbereiten

Für einen smarten Garten sind ein Stromanschluss und eine drahtlose Internetverbindung notwendig. Viele smarte Geräte müssen dauerhaft oder regelmäßig zum Laden an Strom angeschlossen werden und noch laufen nur wenige Systeme mit Solarenergie. Wie alle Applikationen im Internet of Things (IoT) werden Smart-Gardening-Geräte mit dem Internet verbunden. Die Anwendungen lassen sich per Computer, Smartphone, Sprachbefehl oder automatischer Schaltregel bedienen. Um alle Funktionen nutzen zu können, sollten Gärtner:innen sicherstellen, dass ihr Router auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten ein starkes WiFi-Signal sendet. Fliehe: „Wenn im Garten WLAN-freie Zonen liegen, können die Geräte dort keine Verbindung zum Internet herstellen und viele Funktionen sind nicht nutzbar. Ist das Funknetz zu schwach, bietet sich die Anschaffung eines leistungsstärkeren Routers oder eines wetterfesten Signalverstärkers an, um ein starkes Funknetz auf einer großen Fläche zu schaffen.“

Smart-Gardening-Anwendungen vor Hackerangriffen schützen

Laut einer Umfrage des TÜV-Verbandes sind Verbraucher:innen noch sehr zurückhaltend bei der Anschaffung von Smart-Gardening-Geräten. Nur 3 Prozent nutzen einen Mähroboter und 2 Prozent ein anderes smartes Gartenwerkzeug. Diese Zurückhaltung ist auch auf Bedenken zurückzuführen, dass Hacker die IoT-Geräte ins Visier nehmen könnten: 39 Prozent der Befragten haben aus Angst vor Cyberangriffen auf den Kauf von Smart-Home-Produkten verzichtet. Damit smarte Haus- oder Gartentechnik kein leichtes Ziel für Cyberkriminelle ist, können Nutzer:innen einige Vorkehrungen treffen. „Veraltete Router und fehlende Software-Updates sind Schwachstellen, die kriminelle Hacker leicht ausnutzen können“, sagt Fliehe. „Neue Router haben in ihrer Software häufig bessere Sicherheitsfunktionen und schützen das Netzwerk zeitgemäß.“ Daher seien regelmäßige Software-Updates sowohl bei Routern als auch den angeschlossenen Geräten Pflicht. Mit dem Router kann ein separates Netzwerk für die smarten Gartengeräte eingerichtet werden, das nicht mit dem WLAN im Haus verbunden ist. Bei einem Hacker-Angriff auf den Mähroboter sind sensible private Daten trotzdem sicher. Fliehe: „Vor der Inbetriebnahme smarter Produkte sollten voreingestellten Passwörter in Geräten und deren Apps geändert werden. Eine große Sicherheitslücke sind schwache Passwörter.“ Ein starkes Passwort ist mindestens zehn Zeichen lang und nutzt eine Kombination aus Buchstaben, Zahlen und Zeichen.

Zu guter Letzt sollten Verbraucher:innen einen Blick in die Datenschutzerklärung des Herstellers werfen, um die Gefahr eines Datenmissbrauchs zu verringern. Viele smarte Geräte sammeln personenbezogene Daten für Zwecke, die nicht in Verbindung zum jeweiligen Gerät stehen oder sie werden für lange Zeit gespeichert. Ob sie der Sammlung solcher Daten zustimmen wollen, sollten Verbraucher:innen vor dem Kauf entscheiden.

Methodik-Hinweis: Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag des TÜV-Verbands unter 1.005 Personen ab 16 Jahren. Die Befragung hat im Januar 2021 stattgefunden. Die Frage lautete: „Welche vernetzten „smarten“ Hausgeräte nutzen Sie persönlich in Ihrem Haushalt?“ Anschlussfrage: „Im Zusammenhang mit smarten Geräten wird über IT-Sicherheit diskutiert. Wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?“