Vision Zero umsetzen: Verkehrssicherheit als Leitprinzip moderner Mobilität

Wie kann Vision Zero Realität werden? Das neue Positionspapier des TÜV-Verbands zeigt, welche politischen, technischen und gesellschaftlichen Maßnahmen jetzt notwendig sind, um Verkehrssicherheit nachhaltig zu verbessern.

Ruhige Verkehrsszene in Berlin bei schönem Wetter
© Jens Riesenberg via Unsplash

Deutschland braucht einen neuen Anlauf bei der Vision Zero. Trotz technischer Fortschritte sinkt die Zahl der Verkehrstoten nicht schnell genug. Im Jahr 2025 verloren 2.814 Menschen ihr Leben im deutschen Straßenverkehr – das sind im Schnitt sieben bis acht pro Tag. Das muss sich ändern. Im neuen Positionspapier macht der TÜV-Verband deutlich: Verkehrssicherheit muss wieder zur zentralen Leitpriorität werden. Entscheidend ist ein konsequentes Zusammenspiel von Mensch, Technik, Infrastruktur und Regeln.

Vision Zero zwischen politischem Anspruch und rechtlicher Verbindlichkeit

Die Vision Zero ist in Deutschland bislang vor allem ein politisches Leitbild. Zwar ist sie in der Verwaltungsvorschrift zur StVO verankert, ihre rechtliche Wirkung bleibt jedoch begrenzt. Der TÜV-Verband empfiehlt, die Vision Zero verbindlich im Straßenverkehrsgesetz zu verankern. Damit würde der Schutz von Leben und körperlicher Unversehrtheit zum zentralen Maßstab für verkehrspolitische Entscheidungen werden.

Zentrale Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit im Überblick

  1. Fehlerverzeihende Infrastruktur systematisch ausbauen
    Eine sichere Verkehrsführung muss so gestaltet sein, dass menschliche Fehler nicht zu schweren Unfällen führen. Besonders an Kreuzungen, Einmündungen und Querungen besteht Handlungsbedarf. Sichere Infrastruktur verbessert nicht nur die Unfallbilanz, sondern auch die Lebensqualität in Städten und Gemeinden.
  2. Landstraßen als Unfallschwerpunkt entschärfen
    Landstraßen sind die gefährlichsten Straßen in Deutschland. Rund 60 Prozent der tödlichen Unfälle ereignen sich hier. Eine sichere Gestaltung nach dem Safe-System-Ansatz sowie konsequente Geschwindigkeitsüberwachung sind entscheidend, um Risiken zu reduzieren.
  3. Mensch und Technik besser aufeinander abstimmen
    Assistenzsysteme und automatisierte Funktionen können die Verkehrssicherheit erhöhen – vorausgesetzt, sie werden richtig verstanden und genutzt. Technik darf nicht überfordern, sondern muss intuitiv und zuverlässig funktionieren. Gleichzeitig braucht es Vertrauen in geprüfte Systeme über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs.
  4. Alkohol und Drogen konsequent aus dem Straßenverkehr verbannen
    Alkohol und Drogen gehören zu den Hauptursachen schwerer Unfälle. Der TÜV-Verband empfiehlt ein absolutes Alkoholverbot sowie Null-Toleranz bei Drogen. Ergänzend sollte die MPU früher greifen, um Risiken frühzeitig zu erkennen und zu reduzieren.
  5. Mobilitätskompetenz durch lebenslanges Lernen stärken
    Verkehrssicherheit erfordert kontinuierliche Bildung über alle Altersgruppen hinweg. Von der Verkehrserziehung im Kindesalter bis zu Trainings für ältere Verkehrsteilnehmende sollte Mobilitätskompetenz systematisch aufgebaut und erhalten werden.
  6. Fahrausbildung und Prüfung sicher weiterentwickeln
    Reformen der Fahrausbildung müssen sich an der Verkehrssicherheit orientieren. Digitalisierung und Effizienzgewinne sind sinnvoll, dürfen aber nicht dazu führen, dass zentrale Kompetenzen in Ausbildung und Prüfung geschwächt werden.
  7. Rücksicht und Verantwortungsbewusstsein im Verkehr fördern
    Aggressives Verhalten im Straßenverkehr erhöht das Unfallrisiko erheblich. Mehr Aufklärung, konsequente Sanktionen und gezielte Maßnahmen für auffällige Verkehrsteilnehmende können dazu beitragen, eine Kultur der Rücksicht zu stärken.
  8. B196-Regelung überprüfen und anpassen
    Die steigenden Unfallzahlen bei Leichtkrafträdern zeigen Anpassungsbedarf. Die Regelung sollte evaluiert und gegebenenfalls nachgeschärft werden, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden.
  9. Verkehrsüberwachung gezielt ausbauen
    Regeln wirken nur, wenn sie konsequent kontrolliert werden. Eine stärkere polizeiliche Verkehrsüberwachung trägt nachweislich dazu bei, Verstöße zu reduzieren und die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Sicherheit als Maßstab der Mobilität von morgen

Die Mobilität der Zukunft wird digitaler, vernetzter und automatisierter. Umso wichtiger ist es, Verkehrssicherheit konsequent in den Mittelpunkt zu stellen. Die Vision Zero bietet dafür die klare Leitlinie: eine Mobilität ohne Verkehrstote und Schwerverletzte.

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Positionspapier "Vision Zero jetzt umsetzen – Verkehrssicherheit als Maßstab moderner Mobilität"