Das gemeinsame Positionspapier von TÜV-Verband, DEKRA und SGS zeigt, wie sich die Typgenehmigung automatisierter Fahrzeuge durch simulationsbasierte und szenariobasierte Prüfverfahren verändert. Hintergrund ist die steigende Komplexität automatisierter Fahrfunktionen, die mit klassischen Prüfmethoden allein nicht mehr ausreichend bewertet werden kann. Der TÜV-Verband fordert deshalb klare regulatorische Leitplanken für virtuelle Prüfverfahren und betont die Bedeutung unabhängiger Sicherheitsprüfungen.
Wesentliche Inhalte des Positionspapiers
1. Klare Rollenverteilung sichern: Hersteller entwickeln automatisierte Systeme, unabhängige Technische Dienste prüfen diese und staatliche Behörden entscheiden über die Genehmigung. Diese Trennung muss auch bei virtuellen Prüfverfahren konsequent erhalten bleiben.
2. Simulationen ergänzen reale Tests: Szenariobasierte und virtuelle Prüfmethoden gewinnen an Bedeutung, um komplexe oder seltene Verkehrssituationen realitätsnah bewerten zu können. Reale Tests auf Prüfständen und Teststrecken bleiben jedoch unverzichtbar.
3. Neue Risiken systematisch bewerten: Prüfverfahren sollen dynamisch erweitert werden können, um neue Verkehrssituationen, Systemgrenzen und sicherheitsrelevante Szenarien abzubilden.
4. Vertrauen durch unabhängige Prüfung: Simulationen und virtuelle Methoden müssen nachvollziehbar validiert und mit realen Testergebnissen abgeglichen werden. Ziel ist ein verlässlicher Sicherheitsnachweis automatisierter Fahrfunktionen.
5. Klare Abgrenzung zu Forschung und Entwicklung: Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen können die Industrie bei Methoden, Testinfrastruktur und Szenarienentwicklung unterstützen, sollen jedoch keine genehmigungsrelevanten Prüfungen durchführen oder behördliche Entscheidungen beeinflussen.
Das Positionspapier unterstreicht, dass nur unabhängige Prüfungen und klar geregelte Zuständigkeiten langfristig Vertrauen in automatisierte Fahrzeuge und deren Genehmigung schaffen können.
