FAQ zu Wartezeiten bei der praktischer Fahrprüfung

Aktuell kommt es in einzelnen Regionen Deutschlands zu längeren Wartezeiten für Termine der praktischen Führerscheinprüfung als üblich. Der TÜV-Verband beantwortet die wichtigsten Fragen.

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In einzelnen Regionen kommt es derzeit zu längeren Wartezeiten für die praktische Führerschein-Fahrprüfung als üblich. Handelt es sich um ein bundesweites Problem?

Fahrschüler:innen müssen sich momentan auf Wartezeiten auf einen Termin für die praktische Führerscheinprüfung von drei bis fünf Wochen einstellen. Regional können kürzere oder auch längere Wartezeiten auftreten.

Wie lange wird diese Situation noch anhalten?

Läuft der Prüfungsbetrieb wie aktuell im Herbst 2021 weiter, rechnen wir damit, dass wir die hohe Nachfrage nach Fahrerlaubnisprüfungen je nach Region bis zum Ende des ersten Quartals 2022 abarbeiten können.

Welche Gründe gibt es für die langen Wartezeiten?

  • Der praktische Ausbildungs- und Prüfbetrieb kam während der Corona-Lockdowns zeitweise zum Erliegen. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind im Jahr 2020 wegen der Corona-Pandemie rund 192.600 praktische Prüfungen in allen Fahrerlaubnisklassen weniger durchgeführt worden als im Jahr zuvor (Minus 11%). Diese Prüfungen müssen im Jahr 2021 nachgeholt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass wegen des zweiten Lockdowns bis Februar/März 2021 auch im laufenden Jahr nicht die vollen Ausbildungs- und Prüfungskapazitäten zur Verfügung standen.
    Zum Hintergrund: Nach Absolvierung der Theorieprüfung haben Fahrschüler:innen 12 Monate Zeit, ihre praktische Prüfung abzulegen. Diese Frist wurde von den Fahrerlaubnisbehörden der Länder wegen der Pandemie auf 18-24 Monate verlängert. Diese verlängerten Fristen laufen gegenwärtig aus. Viele Fahrschulen melden nun kurz vor Ablauf der Fristen gebündelt Bewerber:innen an. Das führt zwangsläufig zu weiteren Verzögerungen. 
  • Wir beobachten, dass der Bedarf an Prüfplätzen im Jahr 2021 im Vergleich zu 2019 als letztes reguläres Jahr vor der Coronapandemie angestiegen ist. Die Pandemie hat das Mobilitätsverhalten vieler Menschen verändert. Der Wunsch nach individueller motorisierter Mobilität ist gestiegen. Viele Menschen investieren nun in den Erwerb einer Fahrerlaubnis. Beispielweise stellen wir einen deutlichen Anstieg bei den A-Klassen (Kraftrad) im Vergleich zum Jahr 2019 fest.
  • Immer wieder kommt es zu kurzfristigen Terminabsagen infolge von Infektionen oder Quarantänemaßnahmen. Die Termine können dann nicht mehr anders vergeben werden. Ähnliches betrifft auch vereinzelt das Prüfpersonal.
  • Erschwerend kommt hinzu, dass es immer noch Verzögerungen bei der Bearbeitung von Fahrerlaubnisanträgen in den Behörden gibt. Einschränkungen gab es vielerorts auch bei den Erste-Hilfe-Kursen, die Voraussetzung für den Erwerb der Fahrerlaubnisprüfung sind.
  • Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass die derzeitige Lage kein rein deutsches Phänomen ist. In vielen Ländern sind die Wartezeiten auf einen Prüftermin aufgrund der Pandemiemaßnahmen (Lockwdowns etc.) deutlich länger und stärker angewachsen als in Deutschland. Großbritannien ist sicher ein Extrem-Beispiel.
  • Ein langfristiger Grund sind die seit Jahren steigenden Durchfallquoten. Nach KBA-Angaben ist bei den praktischen Prüfungen für die Führerscheinklasse B (Pkw) die Durchfallquote von 35,2% im Jahr 2011 auf 42,1% im Jahr 2020 gestiegen. Die Fahrschüler:innen kommen offensichtlich immer schlechter vorbereitet zu den Prüfungen. Einige Fahrschulen erreichen bei ihren Fahrschüler:innen Durchfallquoten von mehr als 60 Prozent. Gemeinsames Ziel muss es sein, Kapazitäten für Wiederholungsprüfungen einzusparen.
    Von den durchgefallenen Fahrschüler:innen in der Klasse B haben 55% ihre erste Prüfung nicht bestanden. Aber 45% der Durchfaller:innen sind bereits bei ihrer zweiten, dritten oder vierten Prüfung gescheitert. Mit einer besseren Vorbereitung könnte die Zahl der Mehrfachdurchfaller:innen gesenkt werden.

Wie soll dieser Stau gelöst werden?

Nach den monatelangen Lockdowns haben die TÜV-Unternehmen alle Kräfte mobilisiert, um den angehäuften Prüfungsbedarf abzuarbeiten. Das betrifft vor allem das Personal. Die Fahrprüfer:innen leisten Mehrarbeit und verschieben in Absprache mit den Betriebsräten ihren Urlaub. Amtlich anerkannte Sachverständige werden aus anderen Arbeitsgebieten für Führerscheinprüfungen ausgeliehen, zum Beispiel aus der Hauptuntersuchung von Fahrzeugen oder zentralen Bereichen. Zudem reaktivieren wir Prüfer:innen, die in den Ruhestand gegangen sind.  

Wichtigste organisatorische Änderung ist die Einführung des Samstags als sechsten Prüfungstag, um zusätzliche Termine anbieten zu können. Die TÜV-Unternehmen arbeiten eng mit den Landesbehörden zusammen. Ziel ist es, mit Hilfe von Sondergenehmigungen kurzfristig zusätzliches Personal für die Fahrerlaubnisprüfungen zu rekrutieren. Das ist notwendig, da es sich bei der Prüftätigkeit um eine hoheitliche Aufgabe handelt.

Wie reagieren sie auf die Kritik von Fahrlehrerverbänden, wonach die verlängerte Wartezeit auch damit verbunden ist, dass die Dauer praktischer Fahrprüfungen seit Anfang dieses Jahres verlängert wurde?

Dieser Vorwurf entbehrt jeder Grundlage. Die Verlängerung der Prüfungsdauer war lange bekannt und wurde in den Personalplanungen der TÜV-Unternehmen berücksichtigt. Über die letzten Jahre wurden entsprechend mehr Sachverständige und Prüfer:innen aus- und fortgebildet. Der aufgrund der verlängerten Prüfungsdauer errechnete Mehrbedarf wird durch zusätzliches Personal vollends kompensiert. Die Optimierte Praktische Fahrerlaubnisprüfung (OPFEP) wurde zum 1.1.2021 bundesweit erfolgreich eingeführt. Nach aktuellem Stand sind bis Oktober 2021 mehr als 1,2 Millionen optimierte Prüfungen durchgeführt worden.

Was sagen Sie den Fahrschüler:innen, die mitunter lange auf ihren Prüfungstermin warten müssen?

Wir haben vollstes Verständnis dafür, dass Fahrschüler:innen über lange Wartezeiten verärgert sind. Wir tun aktuell alles, um die corona-bedingte Warteschlange in einzelnen Regionen abzubauen. Wenn es Kapazitätsprobleme gibt, versuchen die Technischen Prüfstellen vor Ort, mit den betroffenen Fahrschulen eine einvernehmliche Lösung zu finden.