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Anlagensicherheits-Report 2020

der Zugelassenen Überwachungsstellen (ZÜS)

Liebe Leserinnen und Leser,

Dr-Joachim-Bühler-Mitarbeiter-Portrait-hochkant
© Thomas Rosenthal

es geht doch! Während des Corona-Lockdowns konnten wir erleben, wie in Deutschland eine kleine digitale Revolution stattfand. Wir arbeiteten – wo immer es ging – im Homeoffice, kommunizierten im Videochat, unsere Kinder wurden im Homeschooling unterrichtet und selbst mein Lieblingshändler auf dem Wochenmarkt richtete kreativ ein digitales Bestellverfahren für Obst und Gemüse ein.

Natürlich gab es IoT-Technologien, künstliche Intelligenz, 3D-Druck oder Robotik schon vor Corona, aber – so schlimm die Auswirkungen der Pandemie auch waren – änderte sich dadurch das Mindset gegenüber der Digitalisierung in eine positive Richtung. Auch die größten Zweifler müssen erkennen, dass wir mit digitalen Technologien gestärkt aus der Krise kommen. Erst kürzlich hat eine Bitkom-Studie ergeben, dass mittlerweile 93 Prozent der Industrieunternehmen das Industrial Internet of Things (IIoT) als Chance betrachten und nur noch 5 Prozent als Risiko.

Auch für die technischen Prüfdienstleister war ihre digitale Kompetenz eine solide Basis für die schnelle Umstellung auf neue, in die Zukunft gerichtete Verfahren. Etwa beim „Remote Audit“ im Zertifizierungsbereich, bei dem sich die Auditoren mit ihren Kunden auf Videoplattformen austauschen. Inwieweit IoT-Verfahren auch bei Anlagenprüfungen technisch und rechtssicher möglich sind, wird momentan in einer spannenden Diskussion unter allen Beteiligten ausgelotet.

Klar ist: Die Sicherheit von IoT-Systemen muss ganzheitlich gedacht werden. Schon lange entwickeln wir Prüfverfahren für Algorithmen, für additive Fertigungsprozesse und die Cybersicherheit komplexer digitaler Systeme. Die Sachverständigen der Prüforganisationen nehmen mittlerweile nicht nur mechanische Bauteile genau unter die Lupe, sondern auch die Bits und Bytes. Mit dem technischen Fortschritt müssen sich auch die Prüfinhalte und Prüfverfahren verändern.

Corona hat auch gezeigt: IoT öffnet den Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Mit digitaler Vernetzung und neuen 3D-Druckverfahren werden die Produktionsprozesse nicht nur krisenfester, sondern auch nachhaltiger, lokaler und bedarfsgerechter. Ganz besonders gilt das für die Energiewende, für die es etwa bei der Windkraft, den Biogasanlagen und bei der Wasserstofftechnologie ganz neue Prüfkonzepte braucht, die sowohl die „Safety“ als auch die Cybersecurity in einem digital gesteuerten Energiesystem berücksichtigen.

Wir machen das aus Überzeugung, weil Sicherheit ein Motor des Fortschritts ist. Der Anlagensicherheits-Report in unserer Verbandszeitschrift dokumentiert wie jedes Jahr verlässlich den Ist-Zustand. Lassen Sie uns auf dieser Grundlage die Zukunft gestalten!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine spannende Lektüre und freue mich auf den Austausch.
Ihr Dr. Joachim Bühler

Ansprechpartner

Claudia Tautorus 
TÜV-Verband e. V.
Leiterin Industrie und Anlagentechnik
T +49 30 760095-420