TÜV Weiterbildungsstudie 2026

TÜV Weiterbildungsstudie 2026: Deutsche Unternehmen erkennen Weiterbildung als Schlüssel für Wettbewerbsfähigkeit und Transformation – doch besonders bei KI-Kompetenzen, strategischer Verankerung und Investitionen besteht weiterhin deutlicher Nachholbedarf.

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Die deutsche Wirtschaft steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel und wirtschaftlicher Druck erhöhen den Bedarf an beruflicher Weiterbildung deutlich. Die TÜV Weiterbildungsstudie 2026 zeigt: Weiterbildung bleibt für Unternehmen ein zentraler Erfolgsfaktor, wird aber in vielen Betrieben noch nicht konsequent genug strategisch umgesetzt. Besonders beim Aufbau von KI-Kompetenzen besteht Nachholbedarf.

Grundlage der Studie ist eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands unter 500 Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden in Deutschland. Sie untersucht, wie Unternehmen Weiterbildung organisieren, welche Kompetenzen künftig besonders gefragt sind und welche politischen sowie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessert werden müssen.

Zentrale Studienergebnisse im Überblick

Weiterbildung bleibt wichtig, aber strategisch oft schwach verankert

  • 87 Prozent der Unternehmen halten Weiterbildung für wichtig
  • 29 Prozent verfügen über eine schriftliche Weiterbildungsstrategie
  • 75 Prozent ermöglichen Weiterbildung für alle Mitarbeitenden
  • 53 Prozent führen regelmäßige Weiterbildungsgespräche

Zeit und Budgets bleiben begrenzt

  • 74 Prozent gewähren nur ein bis fünf Weiterbildungstage pro Jahr
  • 65 Prozent investieren maximal 1.000 Euro pro Mitarbeitendem jährlich
  • Höhere Budgets bleiben die Ausnahme

KI-Nutzung steigt schneller als KI-Qualifizierung

  • 56 Prozent nutzen bereits generative KI im Arbeitsalltag
  • 27 Prozent haben Mitarbeitende bereits zu KI geschult
  • Jedes zweite Unternehmen sieht hohen KI-Weiterbildungsbedarf
  • 72 Prozent priorisieren anwendungsnahe KI-Kompetenzen

Empfehlungen an Unternehmen

1. KI- und Cyberkompetenzen vorausschauend aufbauen: Grundlegende und anwendungsnahe KI-, Digital- und Cyber-Skills gezielt ausbauen. Zertifizierte Schulungen und Praxisorientierung machen Chancen nutzbar und Risiken beherrschbar.

2. Weiterbildung mit Bildungspartnern strategisch verankern: Weiterbildung verbindlich in Geschäfts-, Personal- und Investitions-strategie verankern. Mit professionellen Bildungspartnern passgenaue Lösungen entwickeln und Förderoptionen gezielt nutzen.

3. Formatmix in Arbeitsalltag integrieren und Lernkultur stärken: Präsenz, Online und Blended Learning bedarfsgerecht kombinieren und auf kürzere Lernzyklen setzen. Verbindliche Lernzeiten, Führungskräfte als Vorbilder und Wissenstransfer stärken Lernkultur.

Politische Empfehlungen des TÜV-Verbands

1. Steuerliche Rahmenbedingungen modernisieren: Bildungsdienstleistungen dürfen durch komplizierte Umsatzsteuerregeln nicht verteuert werden. Deutschland sollte nationale und europäische Spielräume nutzen, um Planungssicherheit und faire Wettbewerbsbedingungen für Weiterbildungsanbieter zu schaffen.

2. Rechtssicherheit für Honorarkräfte schaffen: Der flexible Einsatz selbstständiger Trainer:innen muss gesetzlich klar geregelt werden, damit praxisnahe Weiterbildung auch künftig vielfältig, leistungsfähig und rechtssicher bleibt.

3. Fernunterrichtsschutzgesetz reformieren oder abschaffen: Veraltete bürokratische Vorgaben aus der analogen Bildungswelt bremsen digitale Lernformate. Notwendig ist ein moderner Rechtsrahmen, der Qualität sichert und Innovation ermöglicht.

4. Förderangebote für Unternehmen verbessern: Weiterbildungsförderung muss einfacher, transparenter und gezielter insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen zugänglich werden – mit weniger Bürokratie und stärkerem Fokus auf zukünftige Kompetenzbedarfe.

5. Bildungsoffensive für Digital- und Future Skills stärken: Deutschland braucht mehr Investitionen in KI-, Cyber- und Digitalkompetenzen, um Unternehmen wettbewerbsfähig zu halten und die digitale Transformation von Wirtschaft und Verwaltung erfolgreich umzusetzen.

 

Downloads

Studienbericht

Präsentation zur Pressekonferenz

Mitschnitt der Online-Pressekonferenz